Frauen gründen seltener als Männer. Diese Aussage findet sich spätestens seit den 1970er Jahren in einschlägigen Studien der Gründungsforschung. Der aktuelle KfW-Gründungsmonitor, die repräsentative Analyse der KfW Bankengruppe zum Gründungsgeschehen in Deutschland, belegt diese These auch für das Jahr 2008: Ingesamt haben in diesem Jahr 797.000 Personen ein Unternehmen gegründet, lediglich 41 % davon waren Frauen. Worauf ist dies zurückzuführen? Eine nun vorliegende Sonderauswertung des KfW-Gründungsmonitors beschäftigt sich mit den Gründen für die geringere Gründungsneigung von Frauen.

Gründerinnen unterscheiden sich von Gründern kaum in ihren Persönlichkeits- und soziodemografischen Eigenschaften, die die Entscheidung zur Selbständigkeit bestimmen: Sie sind ähnlich gut ausgebildet und weisen jeweils einen höheren Bildungsgrad auf als Nichtgründer/innen. Sowohl Gründer als auch Gründerinnen kennzeichnen eine höhere Risikobereitschaft, Innovationsfreudigkeit und Kreativität, ein stärkeres Streben nach Selbstverwirklichung sowie eine überdurchschnittliche Kommunikationsfähigkeit und Überzeugungskraft. “Der unternehmerische ‘Gründertyp’, ob männlich oder weiblich, glaubt deutlich stärker als ein Nichtgründer daran, dass der persönliche Erfolg durch das eigene Handeln kontrolliert werden kann”, sagt Dr. Norbert Irsch, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. Ein deutlicher Unterschied zwischen Gründern und Gründerinnen zeigt sich hingegen, wenn die Befragten das Gründungsumfeld und das Ansehen eines Unternehmers in der Gesellschaft beurteilen. Männer schätzen das Gründungsumfeld generell signifikant positiver ein und messen dem Unternehmerprestige einen höheren Wert bei

Betrachtet man die Gruppe der nicht gründenden Frauen, so fällt auf, dass insbesondere hier deutliche Zweifel bestehen, was die Attraktivität einer Selbständigkeit oder die eigene Befähigung zum Unternehmertum angeht. Männer beurteilen diese Punkte in der Regel weit weniger kritisch. “Diese besonderen Einstellungen halten Frauen häufiger als Männer davon ab, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen”, sagt Dr. Irsch.

Gilt es also, so das Fazit der Studie, das Gründungsgeschehen durch eine Erhöhung der Zahl der Gründerinnen zu beleben, reicht es angesichts der vorliegenden Ergebnisse nicht aus, an Merkmalen wie einer höheren formalen Qualifikation von Frauen anzusetzen. “Um das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten von Frauen zu stärken und die Einstellungen zur Attraktivität der Selbständigkeit zu verbessern, werden gezielte Informations- und Beratungsangebote benötigt, die über die Chancen der Selbstständigkeit aufklären und realistische Einschätzungen fördern”, so Dr. Irsch weiter. “Zudem hat Deutschland im Hinblick auf das allgemeine gesellschaftliche Gründungsklima im internationalen Vergleich noch Nachholbedarf. Wenn es uns gelingt dieses zu verbessern, werden mehr Frauen und auch mehr Männer den Mut und das Selbstvertrauen finden, ihre Gründungsideen zu verwirklichen.”

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