Feb
10
Das neue Gesetzesvorhaben, die Wohlverhaltensphase im Verbraucherinsolvenzverfahren von sechs auf drei Jahre zu verkürzen, ist heute von Stephan Jender, Geschäftsführer der Bremer Seghorn Inkasso GmbH, scharf kritisiert worden. “Ist das die neue Gerechtigkeit? Weil weniger als 10.000 insolventen Selbstständigen eine zweite Chance eingeräumt werden soll, könnten künftig in jedem Jahr mehr als 140.000 insolvente Verbraucher nach drei Jahren und damit doppelt so schnell wie bisher schuldenfrei sein. Gleichzeitig schlittern immer mehr Gläubiger aus Handwerk und Mittelstand auf Grund der schlechten Zahlungsmoral der Verbraucher in die Insolvenz”, so Jender.
Seiner Ansicht nach widerspricht dieses Vorhaben jeglichem Gerechtigkeitsempfinden: “Redliche Gläubiger werden hier nicht nach ihren Interessen gefragt. Und das, um einer kleinen Gruppe von ehemals selbstständig Tätigen, die sicherlich eine zweite Chance verdient haben, wieder auf die Beine zu helfen. Zum einen ist die Gesetzesänderung höchst überflüssig, weil ein Neuanfang auch nach geltendem Recht möglich ist.
Ein weiteres Problem ist, dass mehr als zehnmal so viele Problemschuldner auf dem Rücken ihrer Lieferanten ebenfalls von allen bisherigen Schulden befreit werden. Das Gesetzesvorhaben kann nämlich auf Grund des Gleichheitsgrundsatzes nicht nur auf die Teilgruppe ehemalig selbstständig Tätiger beschränkt werden. Wenn sich das rumspricht, gibt es künftig für die unvernünftig Handelnden unter den Verbrauchern keinen Grund mehr, sich zu beherrschen. Die für alle Menschen bestehende Eigenverantwortlichkeit bleibt auf der Strecke. Wir befürchten, dass vor allem das Handwerk und der kleine Mittelstand die Folgen in Form weiter steigender Forderungsausfälle zu tragen hat. Das kann nicht sein”, betont der Geschäftsführer heute in einem Statement gegenüber der Presse.
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