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Wenn der Gerichtsvollzieher fremdes Eigentum pfändet

Wer macht sich schon Gedanken über einen möglichen Eigentumsverlust, wenn er sein Auto zum Kommissionsverkauf auf den Hof eines Händlers stellt? Wenn sich der beauftragte Dienstleister in finanzieller Schieflage befindet und der Gerichtsvollzieher bei ihm pfändet, kann man auch als Unbeteiligter schnell sein Eigentum verlieren. Diese Erfahrung musste der Oldtimer-Sammler Jobst Spengemann (54) aus dem oberbayerischen Feldkirchen-Westerham machen.

Der bayerische Sammler hatte vier klassische Oldtimer der Marken Jaguar, Aston Martin und BMW zum Verkauf in Kommission gegeben. Um die Finanzen des Autohändlers im schleswig-holsteinischen Norderstedt stand es allerdings nicht gut. Am 17. November 2016 klebte der Gerichtsvollzieher den „Kuckuck“ auch auf die vier beim Händler abgestellten Fahrzeuge des bayerischen Sammlers und ließ sie abtransportieren.

Gemeinsam mit fünf anderen betroffenen Oldtimer-Besitzern kämpft Spengemann vor dem Landgericht Kiel um die Herausgabe seiner zwangsgepfändeten Fahrzeuge. Gegen eine Sicherheitsleistung von 187.000 Euro für „seine Oldtimer“ stellte das Gericht die Zwangsversteigerung „einstweilen“ ein. Mit anderen Worten: Spengemann musste die eigenen Autos noch einmal bezahlen. Der Obergerichtsvollzieher in Kaltenkirchen weigerte sich allerdings, trotz Gerichtsbeschluss die Zwangsversteigerung zu beenden. Die hochwertigen Oldtimer aus Bayern kamen Anfang Februar auf dem Portal „Justiz-Auktion“ unter den Hammer. Spengemann wirft dem Obergerichtsvollzieher „mutwillige Untätigkeit“ zu seinem Schaden vor.

Beim eigentlichen Gläubiger des Autohändlers und Initiator der Pfändungen handelt es sich um den international bekannten Hamburger Fotokünstler Christian Voigt, der ebenfalls einen hochwertigen Oldtimer beim Händler in Norderstedt in Kommission gegeben hatte. Er übergab allerdings auch den Kfz-Brief. Der Händler verkaufte das Auto auf eigene Rechnung und behielt den Verkaufspreis. Voigt erstattete Anzeige und versuchte über den Gerichtsvollzieher an den Kaufpreis zu gelangen.

Wenig Verständnis zeigen Spengemann und die anderen Betroffenen für das Vorgehen des Foto-Künstlers. Voigt versuche, seinen Schaden auf völlig Unbeteiligte abzuwälzen, indem er deren Eigentum pfänden lässt. Spengemann kann belegen, dass der Foto-Künstler und sein Anwalt die vom Gericht geforderte Sicherheitsleistung erhalten haben, aber den Gerichtsvollzieher nicht anwiesen, die ungerechtfertigte Auktion zu beenden. Gegen den Hamburger Anwalt Michael Stodollik hat Spengemann deshalb Strafanzeige gestellt.